Webflow 2.0: Der Beginn eines neuen Kapitels – Unsere komplette Analyse

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Webflow spannt uns kurz vor der Conf bewusst auf die Folter: native Desktop App, mögliches Webflow 2.0 und viele offene Fragen. In diesem Talk ordnen Christian Schmitt und ich ein, was wirklich im Hintergrund passiert, warum MCP 2.0 der Wendepunkt ist und für wen der nächste Schritt gedacht ist.

Webflow 2.0: Das ändert bald alles

Kurz vor der Webflow Conf verdichten sich die Hinweise, dass Webflow vor einem größeren Umbruch steht. Eine native Desktop App, ein mögliches Webflow 2.0 und viele offene Fragen sorgen gerade für ordentlich Gesprächsstoff. In diesem Talk haben Christian Schmitt und ich versucht, das Ganze ehrlich einzuordnen, ohne uns vom Marketing Hype mitreißen zu lassen. Es geht weniger um ein einzelnes Feature und mehr um die Frage, wie wir in Zukunft überhaupt Websites bauen.

KI und Webflow: eine ehrliche Übergangsphase

Fast jeder, der heute professionell mit Webflow arbeitet, nutzt inzwischen auch KI. Die Überschneidung ist längst Alltag. Trotzdem ist völlig offen, wie Web design in ein paar Jahren konkret aussehen wird. Aktuell fühlt sich alles nach einer Übergangsphase an.

KI ist für mich ein extrem starker Assistent, der den eigentlichen Workflow aber noch nicht ersetzt. Ich lasse mir täglich Dinge dazu coden und arbeite gern mit einer KI als Partner. Eine komplette Website von vorne bis hinten nur über ein Chatfenster zu bauen, mache ich trotzdem nicht. Die individuelle Kontrolle im Designer ist mir zu wichtig.

Warum die lauten Stimmen nicht die Mehrheit sind

Online entsteht schnell der Eindruck, künftig würde jeder nur noch im Chat arbeiten. Meine Einschätzung ist eine andere. Die meisten Webflow Nutzer verschieben weiterhin Elemente im Designer, lassen sich hier und da Code generieren und arbeiten eben nicht ausschließlich mit KI.

Christian bringt dazu ein starkes Argument aus der Praxis. Wer Kundenprojekte mit über 100 Seiten betreut, muss visuell bis ins kleinste Detail bestimmen können, wo was passiert. Ein Beispiel: Bilder above the fold sollen eager geladen werden, alles darunter lazy. Solche Feinheiten in einem reinen Chatfenster im Blick zu behalten, ist extrem schwer. Genau hier bleibt der Designer bei größeren Projekten unschlagbar.

Die eigentliche Baustelle: eine gewachsene Codebase

Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um das technische Fundament. Viele Schnittstellen, über die wir Webflow heute per API oder Code ansprechen, gab es lange gar nicht. Webflow musste diese Verbindungen erst nachträglich bauen. Dabei wurde offenbar klar, wie viel alter Code in einer riesigen, über Jahre gewachsenen Codebase steckt.

Ein gutes Beispiel ist jQuery. Damals war die Einbindung eine sinnvolle Entscheidung, heute lässt sie sich in der aktuellen Version kaum noch sauber entfernen. Auch wenn das Skript klein ist, bleibt es ein Symbol für technische Altlasten, die sich nicht einfach wegräumen lassen. Genau deshalb hört man aus der Community seit Jahren den Wunsch nach einem echten Neuanfang.

Warum sich Komponenten nicht einfach kopieren lassen

Christian erklärt im Talk auch, warum bestimmte Dinge in Webflow bis heute nicht gehen. Im Designer entsteht im Hintergrund strukturierter JSON Code. Erst wenn du auf Publish drückst, wird daraus das eigentliche HTML, CSS und JavaScript generiert. Bei großen Seiten dauert dieser Schritt deutlich länger, weil erst alles zusammengebaut werden muss.

Das erklärt auch, warum du Komponenten nicht einfach von einem Projekt ins andere kopieren kannst. Jedes Projekt baut sich sein eigenes Konstrukt mit eigenen IDs auf. Sobald von außen etwas mit identischen IDs hineinkommt, entsteht schnell Chaos. Ein neu gedachtes Webflow könnte hier mit reinem, direkt sichtbarem Code arbeiten, den eine KI ohne Umweg lesen und verändern kann.

MCP 2.0 als erster echter Wendepunkt

Für mich war MCP 2.0 das erste Signal, dass sich intern etwas im Denken verschiebt. Statt alles selbst in Webflow einzubauen, verbindet sich Webflow mit den KI Tools, die wir ohnehin täglich nutzen. Das fühlt sich deutlich natürlicher an als der interne KI Assistent, der vorher eher wie ein zusätzliches Feature wirkte.

In der Praxis funktioniert das inzwischen richtig gut. Du kannst ein Figma Design oder einen Screenshot an die MCP Verbindung übergeben, und die Struktur wird nachgebaut. Danach lässt sich daraus eine Component erstellen, die sich an dein bestehendes Designsystem anpasst. Der entscheidende Vorteil ist der Kontext, den Webflow im Hintergrund schon mitbringt, also deine Variablen, CSS Styles und die gesamte Struktur. Genau dieser Kontext fehlt reinen Code Ansätzen.

Das überraschendste Signal: eine native Desktop App

Womit vor einem Monat kaum jemand gerechnet hätte, ist eine native Mac App. Auf der Teaser Seite zur Webflow Conf sieht man klar einen Mac Desktop mit Icons, Ordnern und ein paar versteckten Easter Eggs. Über das Webflow Icon ist der 2. September als Termin verknüpft.

Die möglichen Vorteile einer nativen App sind für mich sehr konkret. Bessere Performance steht ganz oben. Wer viel mit Komponenten arbeitet, kennt das Problem, dass der Browser bei hoher Speicherbelegung irgendwann streikt und ein Reload nötig wird. Eine saubere Desktop App auf dem Mac könnte die Hardware viel direkter ansprechen. Dazu kommen Dinge wie ein integrierter lokaler Code Editor, komfortablere Asset Verwaltung per Drag and Drop, lokale KI Agenten mit direktem Projektzugriff und eine tiefere Integration ins Betriebssystem. Auch die Update Logik wäre spannend, weil du wie bei anderen Programmen selbst entscheiden könntest, wann du aktualisierst.

Offline arbeiten: reizvoll, aber schwierig

Eine lokale App wirft sofort die Frage nach dem Offline Modus auf. Theoretisch wäre Arbeiten ohne dauerhafte Internetverbindung denkbar, und in manchen Situationen wäre das praktisch. Ich bin allerdings skeptisch, ob Webflow das wirklich erlaubt.

Der Grund ist einfach: Hosting ist ein Kernbestandteil des Geschäftsmodells. Reine Export und Offline Projekte könnten dieses Modell langfristig schwächen. Dazu kommt, dass CMS, Assets, Localization und echte Zusammenarbeit offline zu synchronisieren technisch extrem aufwendig ist. Sobald mehrere lokale Projektstände existieren, werden Versionierung und Konfliktlösung schnell kompliziert. Gut möglich also, dass die App zwar lokal läuft, für viele Funktionen aber weiterhin eine Verbindung braucht.

Eine mögliche Theorie zum Geschäftsmodell

Eine interessante Überlegung aus dem Talk: Vielleicht ist die Desktop App gar kein weiterer Zugang zu webflow.com, sondern ein eigenständigeres Produkt. Denkbar wäre ein klassisches Software Abo, bei dem die Anwendung selbst das Produkt ist, ähnlich wie man es von anderen Tools kennt. Wenn Einnahmen stärker über die Software statt über das Hosting kämen, hätte Webflow mehr Freiheit für lokale Dateien und späteres Synchronisieren.

Christian spielt sogar den Gedanken durch, dass sich Webflow näher an einer Art IDE positioniert, mit Zugriff auf verschiedene KI Modelle über eine Subscription. Sicher ist davon nichts. Es zeigt aber, wie groß die Bandbreite der Möglichkeiten gerade ist.

Für wen ist Webflow 2.0 eigentlich gedacht?

Am Ende bleibt die Frage nach der Zielgruppe. Eine native App, die man auf einem Firmenrechner erst genehmigen und installieren muss, passt eher schlecht zu großen Enterprise Marketing Teams. Die bleiben vermutlich im Browser und nutzen weiter Funktionen wie das MCP, um Texte oder Bilder ändern zu lassen, ohne sich einloggen zu müssen.

Das deutet darauf hin, dass sich dieser Schritt vor allem an Entwickler und die klassische Community richtet, also an Leute wie uns, die gern selbst bauen. Für eine zuletzt etwas vernachlässigte Zielgruppe wäre das ein starkes Signal. Offen bleibt, ob sich bestehende Projekte in der neuen Umgebung nutzen lassen oder ob das nur für neue Websites gilt. Wahrscheinlicher ist ein langsames Heranführen, bei dem das heutige Webflow vorerst bestehen bleibt und irgendwann abgelöst wird.

Meine Erwartung an die Webflow Conf

Ich rechne nicht mit einem fertigen Webflow 2.0 zum Download. Realistischer ist eine Vision mit ersten Einblicken und einem klaren Hinweis auf die Richtung. Der eigentliche Praxistest kommt später, wenn wir das Ganze wirklich im Alltag nutzen können. Marketing Videos sehen immer stark aus, entscheidend bleibt die tatsächliche Umsetzung im Tool.

Schau die Conf gemeinsam mit uns

Wenn du dieses Thema genauso spannend findest, schau die Webflow Conf nicht allein. Zur DACH Watchparty treffen wir uns am 1. September in München, am 2. September gibt es drei Vorträge, unter anderem zu Code Components und zu Server Side Tracking mit Cloudflare, und abends schauen wir gemeinsam die Conf. Ein guter Anlass, die Community wieder persönlich zu treffen und über die Zukunft von Webflow zu sprechen.


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